Artist in Residence

zoEspaces und das Sponsoring ermöglichen einem/einer Zeitgenössischen Tänzer/in, ein halbes Jahr entweder von Januar bis Juni oder von Juli bis Dezember in den Räumen von zoEspaces zu proben und eine Choreografie zu erarbeiten, die dann an einer Studio Performance in zoEspaces dem Publikum gezeigt wird.

Artists in Residence haben auch die Möglichkeit, einen Beitrag zur Tanzvermittlung zu machen (Teaching Artist in Residence).

Informationen Artist in Residence für Tanzschaffende und Sponsoren

Die Jury

Die Jury besteht aus drei Mitgliedern:
Esther Sutter StraubPädagogin mit dem Studio für Tanz und Taiji in Basel und Fachjournalistin im Bereich Tanz.
Andrea Tortoso Vidal, Tänzerin Basler Ballett
Brigitte Züger, Tanz- und Bewegungstherapeutin, Pädagogin zoeTanz und Inhaberin zoEspaces.

Das Tanzbüro Basel steht der Jury beratend zur Verfügung

Residence Januar bis Juni 2018

Zina Vaessen mit ihrem Stück „Das Quartier in uns“.

Inwiefern ist Aufmerksamkeit sensorisch wahrnehmbar?
Inwiefern ist sie übertragbar? Inwiefern ist Aufmerksamkeit eine Berührung?
Ist Berührung die Tatsache unserer Verbindung oder unserer Trennung mit der Welt (z.B. des Quartiers St. Johann)?
Welche Qualitäten und Formen entstehen, wenn wir unsere Körperwahrnehmungen als Impulsgeber nutzen und in Bewegung übersetzen?

„Berührung ist eine Bewegung: Wenn ich etwas berühre, bedeutet das immer, dass ich auch zurück berührt werde und dieses Zurückberühren kann ich wiederum berühren. Berührung ist somit eine Bewegung. Es ist diese Bewegung, die uns existieren lässt.“ Erin Manning (Politics of Touch)

„Berührung ist eine Form von Aufmerksamkeit. Berührung lenkt unsere Aufmerksamkeit. Umgekehrt bestimmen die Qualitäten der Aufmerksamkeit die Berührung. Berührung ist also auch verkörperte Aufmerksamkeit.“ Nita Little (Quelle: Workshops).

Kurzbiografie Zina Vanessen

Zina Vaessen ist freischaffende Tänzerin und Choreografin. Sie studierte Soziologie in Genf und schloss mit einem Diplom in Musik- und Bewegungspädagogik ihr Studium an der Musikhochschule in Trossingen ab. 2013 absolvierte sie ihre Tanzausbildung an der bewegungs-art in Freiburg. Seitdem arbeitete sie in internationalen Zusammenhängen als Tänzerin und entwickelt ihre eigenen Arbeiten. Zu sehen war sie u.a. in Stücken von Louisa Jacobs, Ka Dietze und zuletzt in Touch Loop von Brandon Gonzalez. Mit ihrem ersten abendfüllenden Solo Memory Fiction (2015) wurde sie nach Essen zum 645 Kilo Tanz Festival eingeladen. Ihr zweite Arbeit Buchkörper (2016) wurde in Freiburg (D) mit der Tanzkompanie OFFSPACE produziert und in Kassel und Basel gezeigt. Im Februar 2018 wird ihr drittes abendfüllendes Tanzstück Okra seine Premiere feiern.

Video Compagnie OFFSPACE mit Zina Vanessen

Residence Juli bis Dezember 2018

Johanna Heusser mit dem Stück „Swimming Pool“

Das Stück stellt die Frage nach einem Körper der neutral ist und keine Unterschiede zwischen Geschlechtern macht. Wir setzten uns mit Stereotypen von Mann und Frau Bildern auseinander, brechen sie auf und fügen sie neu zusammen. Alles in Form von Bewegung. Gibt es Bewegungen, die mehr für Männer gedacht sind? Welche Bewegungen gelten als weibliche Bewegungen, und was braucht es, dass eine Bewegung neutral ist? Wie konnotieren wir Bewegungen? Wir inspirieren uns von Xavier le roy, Yvonne Rainer und Mette Ingvartsson, die wie wir finden, sehr spannende Ansätze zum neutralen Körper haben. Arbeitsweisen erneuern sich bei uns ständig. Oft setzten wir uns mit einer unserer Fragestellungen auseinander, improvisieren, diskutieren und probieren aus. Durch herunterbrechen von Wesentlichem, erstreben wir einen simplen Ausdruck in unserem Körper.

Durch physische Übungen und Training, bereiten wir unseren Körper auf die Auseinandersetzung mit dem Thema vor. Es gibt meistens eine Essenz oder eine Szene pro Probe, wo wir uns durch verschiedene Strategien damit auseinandersetzen

Wir möchten gerne tiefer in das Thema einsteigen und ein Stück kreieren mit dem Ziel ein 60 minütiges Stück zu erarbeiten.

Residence Januar bis Juni 2019

Charlotte Böttger mit den Stück We Are Extremely Fortunate

Weitere Tänzerinnen: 
Maija Ripatti
Yeonji Han

 – Unsere Körper muten sich einander zu.
 – Unser Tanz sucht das Risiko von Gewalt und   Zerbrechen.
 – Wir wechseln so oft die Rollen, bis wir am Nullpunkt der Hierarchien ankommen. Denn wir alle sind betroffen.

„We Are Extremely Fortunate“ , das ist der Titel, unter dem drei Performerinnen die physischen Qualitäten von Gewalt und Verletzlichkeit aufeinander treffen lassen. Diese extremen Energien decken Rollenbilder, Verhaltensmuster und Hierarchien unserer Gesellschaft auf. In einer Logik, die sich aus körperlicher Dynamik ergibt, erzählt dieser Tanz von dem Risiko, am Leben zu sein.

Inhalt und künstlerische Umsetzung

Wie kann es sein, dass ein und derselbe Körper das Potential feinster Zartheit und extremster Gewalt in sich trägt?

Wenn es dieses Potential in unseren Körpern und somit in unserer Gesellschaft gibt, welche Bewegung formt es? Welche Art von Energie hat es? Welche Dynamik erzeugt es, wenn wir es aufwecken?

Was in uns – als Performerinnen – bringt dieses Potential zum resonieren?

Das Thema Gewalt auf der einen und Verletzlichkeit auf der anderen Seite sind Qualitäten, die uns mit menschlichen Verhaltensweisen konfrontieren und in uns das Existentielle unseres täglichen am Leben Seins aufwecken.

Körperlich ausgedrückt können diese Qualitäten sehr direkt und unmittelbar für den Zuschauer erlebbar werden. Wir verstehen das Thema Gewalt als eine heftige, lebendige Energie, die uns zwingt hinzuschauen, aufzuwachen und in unser Bewusstsein zu bringen, dass wir alle vom Leben betroffen sind – offen bleibt, wie.

Sicher ist, das wir es sind und dies nicht vergessen sollten.

Wir sind am Leben. Wir sind extrem glücklich. Wir sind in extremer Gefahr. Welche Wahl bleibt uns? Zu fallen und aufzustehen. Zu leben und uns dem Leben zuzumuten. Die tänzerische Umsetzung dieses Themas entsteht durch die Recherche der Bewegungsprinzipien von Aufprall und Angriff, Fallen und Loslassen.

Wir verstehen diese Prinzipien als Kontraste, die zu einer spannungsgeladenen Form führen.

Als Kernelement der Komposition steht das Aufeinandertreffen der Körper. Raum und Zeit werden bestimmt aus dem Kontakt, in den sich die Performerinnen involvieren.

Sie springen sich an, treten einander und kommen zu Fall. Sie tragen sich und lassen ihre passiven, ausgelieferten Körper tragen.

Uns interessiert in dieser Arbeit auf ganz direkte Weise ein sehr physischer, roher Bewegungsstil.

Im Verlauf des Stückes erscheinen immer neue Formationen von Hierarchien. Rollenbilder von Täter und Opfer tauchen auf. Aktionen können als Angriff oder verletzt Sein gelesen werden.

In der Formation des Trios werden alle etablierten Hierarchien und Rollenbilder kurz nach ihrem Erscheinen wieder gebrochen. Es bleibt unklar, wer Schuld trägt oder wer unschuldig ist. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass jede dieser Personen zu allem fähig ist und mit ihnen potentiell jeder anwesende Zuschauer, zu allem fähig ist.

Motivation und Hintergrund

Die Idee zu diesem Stück entstand in der Trio-Konstellation Maija Ripatti, Yeonji Han und Charlotte Böttger während unseres gemeinsamen Abschlusses an der TIP-Schule für Tanz, Improvisation und Performance in Freiburg.

Zusammen haben wir ein zehnminütiges Kurzstück erarbeitet, aus dem sich die beschriebene Thematik entwickelt hat.

Aus der anhaltenden Faszination an unseren Grundideen kommt der Wunsch, in der bestehenden Konstellation weiter zu forschen, um ein längeres Stück daraus zu entwickeln.

Dieser Artist in Residence wird unterstützt von

                                                 

Residence Juli bis Dezember 2019

Lisa Klingelhöfer (Tanz, Choreografie) mit dem Stück FRAU.!?

Weitere Beteiligte:
Katarzyna Brzezinska (Tanz, Gesang, Kunst)

„Ich stelle aber fest, dass ich selbst umdenken muss. Das Image der modernen Frau ist das einer Überfliegerin mit TopAusbildung, Traumjob und finanzieller Unabhängigkeit. Dazu passt das Bild einer Frau, die ihre Ausbildung und Karriere hintenanstellt und sich in den Dienst ihrer Familie stellt, so gar nicht. Aber eins wird mir bewusst: Wenn ich meine Arbeit nicht mache, muss sie ein anderer für mich tun. Oder drei andere, in sozial verträglichen 8-Stunden-Schichten. Und ich glaube nun einmal, dass es beim Kinder erziehen und Zuhause-Bauen nicht auf die Qualifikation ankommt, sondern auf’s Herz. Und wer ist da besser geeignet als die Person, die die Menschen, für die sie da ist, zutiefst liebt?“

Das Zitat zeigt einen bekannten Konflikt auf. Es geht um Entscheidungen, Rollenbilder, die Selbstverwirklichung. Die Anforderungen an Frauen, aber auch die Zukunftsaussichten verändern sich drastisch, dadurch bedingt verändern sich auch die Auseinandersetzungen mit dem Thema Frau sein.

In FRAU .?! geht es um die Auseinandersetzung mit dem Erscheinungsbild und weiblich konnotierten Charaktereigenschaften von Frauen und Idealen die zu diesem Bild zählen könnten. Aber auch der Betrachtung von vielfältigen Facetten, die Weiblichkeit und dem Frau sein innewohnen.

Damit möchten wir Aufmerksamkeit schaffen für die Momente in denen wir es uns unnötig schwer machen, weil wir denken es ist angebrachter, vorzugeben jemand anders zu sein. Und hier geht es nicht mehr nur ums Frau sein, hier geht es auch um das Mensch sein, anstatt von dem Verstecken hinter Fassaden, die uns scheinbar den Umgang mit dem anderen Geschlecht erleichtern. Wie wäre es mal mit Ehrlichkeit?

Das typische Frauenbild im zeitgenößischen Tanz entspricht oftmals nicht dem der Weiblichkeit. Im zeitgenößischen Tanz verlieren Frauen oft das Geschlecht, werden androgyn, bewegende Körper, die Stärke und Präzision ausstrahlen. Eine Eigenschaft die oftmals der maskulinen Seite zugeschrieben wird. Doch Weiblichkeit und Männlichkeit, wie sie die Alltagssprache kennt, entsprechen lange nicht dem biologischen Geschlecht. Trotzdem, gewisse Verhaltensweisen und Praxen werden in jeder Kultur als „weiblich“ oder „männlich“ wahrgenommen, und zwar unabhängig davon, ob sie von Frauen oder Männern übernommen werden. Wie können wir im zeitgenößischen Tanz Weiblichkeit ausdrücken? Bedeutet dass, mehr Schminke, enge Klamotten oder sanfte Bewegungen? Wir möchten die Facetten einmal genauer betrachten.

Residence Januar bis Juni 2020

Die Bewerbungen nehmen wir bis zum 20. Juli 2019 entgegen

Teaching Artist in Residence

Der Artist in Residence hat die Möglichkeit, vor oder während der Residence einen oder eine Serie Workshops zu unterrichten. Darin vermittelt er/sie einen seiner/ihrer Arbeitsinhalte oder eine Technik, welche er/sie für seine Residence bei zoESpaces geprägt hat. Der Workshop soll einen Beitrag zum Verständnis seines Werkes oder zum Verständnis des Zeitgenössischen Tanzes vermitteln und soll somit auch als einen Beitrag zur Kulturvermittlung Tanz verstanden sein.

Aktuell im November/Dezember 2018
Charlotte Böttger (Artist in Residence Jan bis Juni 2019) unterrichtet im April/Mai Juni 2019 19:30 bis 21:00.

Unsere Sponsoren

Wir bedanken uns herzlich bei der  Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung, bei Kultur Basel Stadt und weiteren ungenannt bleiben wollenden Sponsoren